Habt ihr schon mal was von Flevoland gehört? Die jüngste Provinz der Niederlande ist durch ein Eindeichungsprojekt entstanden und liegt nur etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt. Flevoland lockt mit seiner Lage am Ijsselmeer und viel Natur. Auch die grünste Stadt der Niederlande soll in Flevoland entstehen, ein super spannendes Projekt, das ich mir bei meinem Besuch aus der Nähe anschauen durfte. Und dann sind da noch all die ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten – vom Baumhaus über Zirkus- und Bauwagen bis hin zu Schiffscontainern. Alle, die Lust auf ein Mikroabenteuer haben, sind hier richtig. Meine Ausflugs- und Übernachtungstipps für einen Urlaub in Flevoland.

Flevoland – das größte vom Menschen geschaffene Land der Welt

Die Niederländer haben ein besonderes Verhältnis zum Wasser: Gut 40 Prozent ihres Landes liegen unterhalb des Meeresspiegels. Der Schutz durch Deiche und Dämme ist für das Land daher essentiell. Gäbe es sie nicht, würde das gesamte Ballungsgebiet von Rotterdam bis Amsterdam in den Fluten versinken. Im Jahr 1953 gab es eine Sturmflut, die 1.835 Todesopfer forderte. Technischen Weltwundern wie den Deltawerken ist es zu verdanken, dass weitere Flutkatastrophen abgewendet werden konnten. Zumindest bisher. Der Kampf gegen das Wasser ist noch lange nicht gewonnen: Infolge des Klimawandels werden die Meeresspiegel um zwei weitere Meter steigen, außerdem gehen Wissenschaftler davon aus, dass es infolge des Klimawandels häufiger und stärker regnen wird, sodass Flüsse öfter über die Ufer treten.

Die Menschen und das Meer: Mit der Inselgruppe Marker Wadden in Flevoland haben sich die Niederländer neues Land gestaltet.

Immer wieder versuchen die Niederländer Gebiete wieder- oder neu zu gewinnen. Ein besonderes beeindruckendes Projekt ist Flevoland: Die drei Polder der Provinz sind das größte vom Menschen geschaffene Land der Welt. Es ist spannend, dabei zuzuschauen, wie sich künstlich geplante Gebiete zu wilden Naturlandschaften entwickeln. Sie werden zur Heimat für zahlreiche Vögel, Fische und andere Tiere.

Buytenplaets Suydersee in Lelystad – im Baumhaus übernachten

Das Baumhaus im Grünen mit Frühstücksterrasse und eigener Feuerstelle.

Ich liebe Bäume und Baumhäuser natürlich auch. Umso begeisterter war ich, als ich hörte, dass es in Flevoland die Möglichkeit gibt, in einem Baumhaus zu übernachten. Buytenplaets Suydersee liegt in Lelystad. Der Campingplatz ist ein Eldorado für alle, die ein Faible für ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten haben. Neben Baumhäusern kann man u.a. ausgebaute Zirkus- und Bauwagen buchen.

Unser Baumhaus war super gemütlich eingerichtet. Vom Bett aus konnte ich durch die etwa vier Meter breite Fensterfront ins Grün schauen. In der Mitte die dicke Eiche, um die das Baumhaus konstruiert wurde. So hatte man das Gefühl, als schlafe man im Wald. Einfach wunderschön! Morgens konnten wir auf der hübsch hergerichteten Terrasse des Baumhauses frühstücken. Brötchen, Eier, Säfte, Marmelade, Aufschnitt & Co. bekamen wir vom Campingplatzleiter in einem Körbchen überbracht – was ein Service!

Auch in der Dunkelheit war die Atmosphäre schön. In der Ferne saß ein Pärchen am lodernden Feuer. Hier und da waren Zelte, Tinyhouses und Zirkuswagen erleuchtet. So eine Nacht im Baumhaus solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen!

Restaurant-Tipp: Ihr habt Lust auf ein schönes Dinner zu zweit? Im Restaurant De Rede van Bataviahavn könnt ihr im stylischen Ambiente eine tolle Auswahl an Speisen genießen. Auch Vegetarier werden auf der Speisekarte fündig.

Netl De Wildste Tuin in Kraggenburg – im ausgebauten Bauwagen übernachten

Guten Morgen! Unser gemütlicher Bauwagen ist nach einem Ort in Lappland benannt.

Wenn ihr fantasievoll dekorierte Festivalgelände á la Fusion oder Tomorrowland mögt, seid ihr auf dem Campingplatz Netl De Wildste Tuin in Kraggenburg genau richtig. Schon bei der Ankunft ist es, als betrete man ein Paralleluniversum. Da sind merkwürdig anmutende Bauwerke, allerlei von Künstlern gestaltete Installationen, zwischendrin stehen Relikte aus alten Zeiten wie eine echte alte russische MIG, sie soll ein Symbol für Abrüstung und Frieden sein. Auf dem Gelände finden regelmäßig bekannte Festivals wie das Wildeburg Festival oder das Bevor Festival stattfinden. Außerhalb dieser Events dient die Location als großer Abenteuerspielplatz für die ganze Familie und als Campingplatz mit außergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten. Es gibt einen Strand mit Dünen, einen Matschplatz, einen Bambus-Dschungel und vieles mehr. Wir haben in einem ausgebauten Bauwagen übernachtet und auch der war richtig gemütlich. Er steht auf dem Naturzeltplatz „de Mig“, direkt am Kanal, alternativ könnt ihr in ausgebauten Schiffscontainern übernachten.

Mein Tipp: Wenn ihr entlang des Kanals spazieren geht, kommt ihr zum Waldgebiet „Voorsterbos„, das zu den Natuurmonumenten zählt.

Außerhalb der Festivalzeiten geht es auf dem Campingplatz Netl de Wildste Turn ruhig und beschaulich zu. Vorne im Bild: die symbolische MIG.

Ein Spaziergang über das fantasievoll gestaltete Gelände lohnt sich.

Restaurant-Tipp: In Schokkerhaven, nur etwa 15 Kilometer vom Campingplatz Netl De Wildste Turn entfernt, liegt das Pier 16. Mit Blick auf das Wasser und den Yachthafen schmeckt das Essen gleich doppelt gut.



Meine vier Ausflugstipps für Flevoland

Tipp 1: Besuch beim UNESCO-Weltkulturerbe Schokland

In Schokland stehen hübsche alte Holzhäuser traditioneller niederländischer Art. Mich haben sie an Skandinavien erinnert.

Früher war Schokland eine Insel, die inmitten der stürmischen Zuiderzee lag. Hunderte Menschen lebten hier, vor allem Bauern, Fischer und Seeleute. Schokland diente als Wellenbrecher für das Festland und als Zufluchtsort für Seeleute bei Stürmen. Doch das wilde Meer wurde immer mehr zur Bedrohung, große Teile von Schokland überfluteten und verschwanden. Die Bewohner mussten sich auf die Siedlungshügel auf der Ostseite der Insel zurückziehen. Schokland wurde kleiner und kleiner und verarmte. Trotz der ständigen Bedrohung durch das Wasser und der Armut wohnten immer wieder Menschen auf der Insel: Von urgeschichtlichen Zeiten über das Mittelalter bis heute. Als 1942 der Nordostpolder trockengelegt wurde, war Schokland keine Insel mehr, zahlreiche Zeitzeugen sind – trotz der bewegten Geschichte – zum Glück erhalten geblieben. Wer Schokland besucht, trifft auf eine außergewöhnliche Kombination aus Archäologie, Kulturgeschichte und Natur. Da ist zum Beispiel die historische Kirche aus dem Jahre 1834 und das hübsche Museum, in dem ihr euch auf die Spuren der 10.000 Jahre alten Spuren menschlicher Besiedlung begeben könnt. Mir hat Schokland auch architektonisch wunderbar gefallen, es ist ein sehenswerter Ort, der symbolisch für das Leben der Niederländer mit dem Wasser steht.

Auch ein paar tierische Bewohner lassen sich am Wegesrand beobachten.

Ein Ziegenbock präsentiert seine prächtigen Hörner.

Restaurant-Tipp: Im Restaurant Schokland gibt es viele nette Kleinigkeiten zu essen. Von der Außenterrasse habt ihr einen schönen Blick auf die Holzhäuschen.

Tipp 2: Ausflug auf die einsame Naturinsel Haveneiland, Marker Wadden

Strandspaziergänge, Vogelbeobachtungen oder einfach die Ruhe genießen – das alles ist auf Haveneiland möglich.

Marker Wadden ist ein Archipel von fünf Inseln im Markermeer und ein ganz besonderes Naturparadies der Zukunft: Denn den Niederländern dient Marker Wadden als eine Art lebendiges Labor, in dem getestet wird, wie das Anlegen von Naturinseln gelingen kann. Auf den aus Schlick aufgeschütteten Inseln wurde ein einzigartiger Lebensraum für Vögel, Fische und Wasserpflanzen geschaffen. Nur eine der Inseln – Haveneiland – ist für Besucher zugänglich, dort gibt es vier moderne Ferienhäuser, die man mieten kann. Diese sind nicht nur energieneutral, sie wurden auch nachhaltig gebaut und im Scandi-Style eingerichtet. Einen Fernseher sucht ihr hier übrigens vergebens, denn nichts soll vom Naturerlebnis ablenken. Ein Fernglas mitzubringen, ist ein Muss. Schließlich lassen sich mit etwas Glück Säbelschnäbler, Löffler, Austernfischer und andere Vögel beobachten. Haveneiland lässt sich mit einer Fähre von Lelystad aus erreichen. Oder ihr kommt mit eurem eigenen Boot, in diesem Fall müsst ihr euch jedoch vorab anmelden, denn die Anlegeplätze auf Haveneiland sind begrenzt. Außerdem gibt es mehrere Charter-Boote, die Tagestouren von verschiedenen Häfen wie Hoorn, Enkhuizen oder Lelystad aus anbieten. Auch, wer einfach nach einem ganz besonders ruhigen Ort sucht, ist auf Haveneiland richtig, denn die Insel ist unbewohnt. Man muss sie sich innerhalb der Fährzeiten also nur mit ein paar Tagesgästen, Biologen und Naturliebhabern teilen.

Innovativ designte Vogelbeobachtungstürme auf Haveneiland.

Restaurant-Tipp: Nach eurem Tagesausflug auf Marker Wadden, empfehle ich euch einen Besuch im Restaurant De Rede van Bataviahavn in Lelystad. Dort könnt ihr im stylischen Ambiente eine tolle Auswahl an Speisen genießen. Auch Vegetarier werden auf der Speisekarte fündig.

Angesagtes Ambiente – das haben die Niederländer einfach drauf. So auch im Restaurant De Rede van Bataviahavn in Lelystad.

 

Tipp 3: Radtour durchs Naturschutzgebiet de Oostvaardersplassen

Vor Ort könnt ihr euch ein E-Bike leihen, um das Naturschutzgebiet zu erkunden.

Die Ostvaadersplassen sind ein Sumpfgebiet zwischen Lelystad und Almere. Naturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten, ihr könnt Konikpferde, Rothirsche, Füchse oder zahlreiche Wildvögel beobachten. Ich empfehle euch, eine Radtour durch die schöne Landschaft des Naturschutzgebietes zu machen, die Rundtour ist etwa 32 Kilometer lang. Packt euch unbedingt ein Fernglas ein, mit etwas Glück entdeckt ihr vielleicht sogar einen Seeadler. Auch Exkursionen mit einem Förster könnt ihr buchen.

Restaurant-Tipp: Eines meiner absoluten Highlights war der Besuch im Restaurant Paviljoen de Ostvaarders. Dass man quasi „auf dem Wasser sitzt“ und einen entsprechenden Ausblick hat, ist ein Grund dafür, der andere ist die Qualität der Produkte: Es gibt nachhaltig produzierten Kaffee, Bio-Baguettes und hausgemachte Suppen und auch bei den Süßspeisen, die beim sogenannten High-Tea serviert wurden, kamen wir gar nicht mehr aus dem Schwärmen raus. Vegetarier und Veganer werden auf der Speisekarte übrigens auch fündig. Das Restaurant ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Tipp 4: Spaziergang bei Waterloopbos

Das ehemalige Wasserwerk Deltagoot wurde von den Künstlern Ronald Rietveld und Erick de Lyon zu einem modernen Kunstwerk umgestaltet.

Technikinteressierte sollten sich einen Besuch von Waterloopbos nicht entgehen lassen. Dabei handelt es sich um eine Prüfanlage für Wasserwerke aus den 50er und 60er Jahren. Klingt auf den ersten Blick vielleicht weniger spannend, doch das ändert sich, wenn man den Hintergrund kennt: Früher gab es keine Möglichkeit, per Computer auszurechnen, welche Kräfte auf große Wasserbauten ausgeübt wurden. Daher musste alles anhand von maßstabsgetreuen Modellen getestet werden. In Waterloopbos könnt ihr 35 dieser Wasserwerk-Modelle bestaunen, neben den Häfen von Bangkok, Rotterdam oder Lagos wurden hier auch die Deltawerke getestet. Letztere sind ein technisches Wunderwerk, denn sie sind das größte Sturmflutwehr der Welt. Sehenswert ist der Ort aber auch, weil sich die Natur ihr Territorium langsam wieder zurückerobert: viele der Modelle werden von Pflanzen überwuchert, was eine verwunschene Atmosphäre entstehen lässt. Wenn ihr genug Zeit mitbringt, könnt ihr mit etwas Glück schillernde Eisvögel und Libellen sichten.

Die frühere Prüfanlage Waterloopbos verwandelt sich in ein kleines Naturparadies.

 

Ihr habt ein Faible für moderne Kunst? Dann ist Landart Flevoland vielleicht etwas für euch. Auf dieser Tour könnt ihr zahlreiche Kunstwerke in der Landschaft Flevolands erkunden.

 

 

Safe the date: Floriade Expo 2022 – ein grünes Wunder der Zukunft

Wenn die Floriade Expo 2022 beendet ist, wird auf dem Gelände die grünste Stadt der Niederlande entstehen. ©Floriade Expo 2022

Zu Beginn dieses Blogposts hatte ich euch ja schon verraten, dass in Flevoland die grünste Stadt der Niederlande entstehen soll. Aber bevor es soweit ist, gibt’s hier noch ein ganz besonderes Event: die Floriade Expo 2022. Das ist eine internationale Gartenschau, die alle zehn Jahre in den Niederlanden stattfindet. „Growing Green Cities“ lautet das Thema, Aussteller aus der ganzen Welt dürfen hier ihre grünen Stadtkonzepte der Zukunft präsentieren. Euch erwarten coole innovative Konzepte, Bio-Food, das ihr euch selbst in Gärten und Gewächshäusern pflücken könnt und natürlich ganz viel Grün. Schaut euch am besten das Video an, so bekommt ihr den besten Eindruck von diesem großartigen Projekt.

 

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Ich durfte mich vorab auf dem Gelände umschauen und bin von den vielen nachhaltigen und kreativen Ideen begeistert. Da gibt es zum Beispiel einen Pavillon, der aus einem Pilz besteht, auch das Interieur und sogar Kleidung wurden aus Pilzgeflechten hergestellt. Toll, was sich mit dieser nachhaltigen, nachwachsenden Ressource so alles machen lässt!

 

Meine Reiseführer-Tipps für einen Urlaub in Flevoland

 

Wenn ihr noch mehr Infos zu Flevoland braucht, empfehle ich euch den Reiseführer Lonely Planet Niederlande*, in ihm findet ihr über 500 Tipps für Hotels, Restaurants, Touren und Natur.

Schaut euch auch meine weiteren Blogbeiträge mit Tipps zu besonderen Übernachtungsmöglichkeiten in Holland an: Naturwunder Holland – Tipps für einen Urlaub im niederländischen Nationalpark und Es war einmal … Eine Schlösser-Tour durch Holland

 

 

Fotos: Lukas Holzmeier 

 

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