Das Steinhuder Meer kannte ich noch aus meiner Jugend, als man an heißen Sommertagen einen Ort suchte, der Abkühlung versprach. Denn wenn es eines gibt, das in meiner Heimatstadt fehlt, ist das ein Badesee. Das Steinhuder Meer ist der größte See Nordwestdeutschlands und daher ein beliebtes Ausflugsziel. Was man hier noch machen kann, außer zu schwimmen und vom Steg aus den Sonnenuntergang zu bewundern? Ziemlich viel: zum Beispiel SUP-Yoga, Klettern, Stand up Paddling, Axtwerfen, Bogenschießen, Moorwanderungen und Radfahren. Ich war vor Ort im Naturpark unterwegs und habe es ausprobiert.

Spätestens zum Sonnenuntergang sollte man einfach mal innehalten und die Stille genießen.

Der Naturpark Steinhuder Meer wurde 2017 übrigens als erster Naturpark Niedersachsens von der Beratungs- und Zertifizierungsorganisation TourCert GmbH mit dem Qualitätssiegel „Nachhaltiges Reiseziel“ ausgezeichnet. Ein Grund mehr für mich, diese Region mal wieder zu besuchen. Und hier kommen meine zehn Tipps zu Aktivitäten, die ihr euch am Steinhuder Meer nicht entgehen lassen solltet:

Tipp 1: Das Naturparkhaus besuchen
Im Naturparkhaus in Mardorf erfahrt ihr viele spannende Dinge rund um die Region und ihre Geschichte. Warum und wie wurde hier früher Torf abgebaut, und wie sieht es heute aus? Was wird in Sachen Klima- und Umweltschutz getan? Und welche seltenen Tiere und Pflanzen kann man im Moor entdecken? Naturpark-Ranger Hendrik Holte hat viel Spannendes zu erzählen, seine Begeisterung für die Natur ist einfach ansteckend. Eine Besichtigung der Ausstellung im Naturparkhaus bietet sich auch perfekt an, um Schlechtwettertage zu überbrücken. Holte, der studierter Forstwirt ist, bietet außerdem Outdoor-Touren an, und damit kommen wir auch direkt zu Tipp 2.

Da schien sie noch, die Sonne. Dann kam der Wind.

Tipp 2: Eine Kanutour mit Naturpark-Ranger Hendrik über das Steinhuder Meer
Vom Wasser aus lassen sich die Uferzonen mit ihrer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt besonders gut beobachten. Ein Muss für alle Naturfans. Naturpark-Ranger Hendrik bietet regelmäßig Termine für diese etwa fünfstündige Kanutour an, eine Pause gibts zwischendurch natürlich auch. Startpunkt ist die DJH Jugendherberge Mardorf.  Kopfbedeckung und Sonnenschutz nicht vergessen, denn Schattenplätze gibts im Kanu nicht. Wir hatten an diesem Tag leider Pech mit dem Wetter und mussten unsere Tour wegen zu starkem Wind abbrechen. Dank der Planänderung entstand dann auch mein Tipp 3.

Als die Höhenangst erstmal überwunden war, hats richtig Spaß gemacht.

Tipp 3: Klettern im Hochseilgarten SeaTree
Ich habe Höhenangst. Und das nicht zu knapp. Im Hochseilgarten SeaTree musste ich sie (dank der spontanen Programmänderung) dann wohl oder übel überwinden. Während der Einweisung wurde mir bei all den Infos und Blicken nach oben immer mulmiger, doch circa zwei Stunden später habe ich den Hochseilgarten mit einem glücklichen Grinsen verlassen. Wie es dazu kam? Es lag an vielen Faktoren: zum Beispiel an der Tatsache, dass dort mit kommunizierenden Sicherheitssystemen gearbeitet wird, was bedeutet, dass der zweite Karabiner immer erkennt, wenn der erste geöffnet wurde und dann automatisch blockiert. Ein komplettes Aushängen durch Unachtsamkeit wird so unmöglich. Hinzu kamen die tollen 27 Kletterstationen mit drei Schwierigkeitsstufen. Ich war am Ende richtig happy, es doch ausprobiert zu haben, denn was gibt es Besseres, als seine Zweifel oder Ängste mit einem Erfolgserlebnis zu überwinden?!

Mein erstes Mal SUP-Yoga.

Tipp 4: SUP-Yoga auf dem Steinhuder Meer
Ich liebe Yoga und habe auch schon viele verschiedene Stile ausprobiert. Aber es auf einem Stand-up-Paddle zu praktizieren, war neu für mich. Am frühen Morgen, als das Wasser des Steinhuder Meeres noch schön glatt war, holte mich Yogalehrerin Diana Andrews-Thiele vom Studio Daya Devi Yoga am Steg ab und wir ankerten an einer ruhigen Wasserstelle nahe der Badeinsel. Es war ein ganz besonderes Erlebnis für mich – einfach wunderschön so nah, am und auf dem Element Wasser zu sein, wenn man sich in den einzelnen Asanas befindet. Dort Yoga zu machen, war auch weit weniger wackelig, als ich befürchtet hatte und so ist niemand von uns unfreiwillig im Wasser gelandet. Also, wer Yoga mag, sollte diese Variante definitiv ausprobieren.

Noch war nicht jeder Schuss ein Treffer …

Tipp 5: Bogenschießen und Axtwerfen auf dem Natur- und Erlebnishof Borstel Seelwortshof
Ein Besuch auf dem Seelwortshof lohnt sich sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter, denn es gibt drinnen und draußen tolle Sachen, die man machen kann. Damit ist der Natur- und Erlebnishof Borstel in Neustadt ein Eldorado für Familien. Langweilig wirds hier ganz bestimmt nicht, denn neben Bogenschießen und Axtwerfen bieten Daniel Quambusch und sein Team noch viele weitere Aktivitäten an. Zum Beispiel nachhaltige Paddeltouren. Diese wurden in Kooperation mit Naturschutzverbänden und naturpädagogischen Mitarbeitern entwickelt. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen dadurch für das Thema Umweltschutz sensibilisiert werden. Auch Müllsammelaktionen werden zu verschiedenen Terminen angeboten. Das Konzept des Natur- und Erlebnishofs gefällt mir richtig gut. Aber nicht nur mir: 2016 wurde dieser mit dem Sonderpreis „Tourismus mit Zukunft“ – dem Preis für Nachhaltigkeit im Reiseland Niedersachsen – ausgezeichnet. Und das ist nur eine von vielen weiteren Auszeichnungen. Auch Übernachtungen sind auf dem Natur- und Erlebnishof Borstel möglich: zwei energieautarke Ferienhäuser können auf dem Gelände gemietet werden.

Den Kranich fest im Blick.

Tipp 6: Radtour ums Steinhuder Meer mit Vogelbeobachtungen
Eine Radtour ums Steinhuder Meer darf bei meinen Tipps zu Aktivitäten natürlich nicht fehlen. Der etwa 32 Kilometer lange Rundweg lässt sich in beiden Richtungen gut befahren, packt euch am besten die Erlebniskarte ein, damit ihr keine spannenden Stationen verpasst. Zum Herunterladen findet ihr sie hier. Während unserer Radtour begegneten uns immer wieder Menschen, die mit riesigen Ferngläsern, speziellen Objektiven und Profi-Kameras ausgestattet waren. Am Meerbruch fragten wir dann mal einfach, was es denn hier Spannendes zu sehen gäbe. Und die älteren Herren (die, wie sie uns erzählten, täglich für viele Stunden hierher kommen) waren besonders nett und auskunftsfreudig und ließen uns durch die Ferngläser schauen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich so zum Beispiel einen wunderschönen Kranich und Kiebitzküken aus nächster Nähe gesehen. Wer an aktuellen Vogel- und Naturbeobachtungen am Steinhuder Meer interessiert ist, sollte mal auf dem Beobachtungsblog der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer e.V. vorbeischauen, dort könnt ihr – mit etwas Glück – per Live-Cam den Seeadler bei der Aufzucht seiner Jungen beobachten. Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen brütet er wieder erfolgreich. Mein Tipp: Kommt unter der Woche und außerhalb der Saison, dann ist auf den Radwegen weniger los und ihr habt mehr Ruhe für die Beobachtungen.

Meine ersten Versuche beim Tümpeln.

Tipp 7: Beim „Tümpeln“ den Lebensraum Wasser entdecken
Mit Kescher, Lupe und Mikroskopen ausgestattet zeigte uns Diplom-Biologe Wolfgang Nülle all die kleinen Bewohner des Wassers, die man sonst viel zu oft übersieht. Ganz schön spannend, was hier alles so lebt. Diese Tour wird vom Naturparkservice Steinhuder Meer angeboten und ist vor allem für Familien mit Kindern interessant. 

Die weiten Moorlandschaften haben etwas Mystisches.

Tipp 8: Wandern auf dem Moorerlebnispfad
Später ging es dann mit dem Diplom-Biologen Wolfgang Nülle noch auf eine Moorwanderung. Auch er ist mit einer Begeisterung bei der Sache, die einfach ansteckend ist. Wir erfuhren viel zur faszinierenden Landschaft und den Besonderheiten und Geheimnisse eines Hochmoores. Ich fand es toll, jemandem, der sich so gut auskennt, all meine Fragen zu Pflanzen und Tieren stellen zu können. Eine Moorwanderung ist übrigens bei Frühnebel besonders schön und wenn das Wollgras blüht. Aber auch während der Paarungszeit der Moorfrösche lohnt es sich sehr, dann gibt es nicht nur ein Gratis-Konzert, sondern auch ein spezielles Farbschauspiel, denn die Männchen verfärben sich für zwei bis drei Wochen blau. Ein ganz schön großer Aufwand, den sie da betreiben, um bei der Damenwelt Eindruck zu schinden …

Wenn die Sonne im Meer versinkt …

Tipp 9: Stand-up-Paddling auf dem Steinhuder Meer
Richtig toll war auch meine Tour mit Stefanie Pohler von Sup and Fun. Sie zeigte mir, worauf es beim „suppen“ ankommt und ich hatte mit dem spiegelglatten Wasser am Abend die idealen Startbedingungen. Fest steht: Ich werde es wieder tun, sobald es geht. Schwer begeistert war ich auch vom vierbeinigen Teilnehmer Barny, den ich direkt um einen Besuch auf meinem Board bat.  Perfekt abgerundet wurde dieser Ausflug nur noch vom traumhaft schönen Sonnenuntergang, der sich uns darbot.

Liebe auf den ersten Blick: Barny und ich.

Die Sonnenterrasse des Hotels und Restaurants „Haus am See“ von der Brücke aus.

Tipp 10: Abendessen im „Haus am Meer“ mit Blick auf den See
Das Hotel Haus am Meer liegt direkt am Ufer des Steinhuder Meeres. Der Ausblick, den man von der Sonnenterrasse aufs Wasser und die Segelboote hat,  ist einfach fantastisch, allein deswegen solltet ihr euch rechtzeitig einen Platz auf dieser im Restaurant reservieren lassen. Es war herrlich, die Idylle beim Frühstück und Abendessen zu genießen. Auf der Speisekarte werden auch vegetarische Gerichte angeboten und das Personal ist superfreundlich. Mir hat es besonders gut gefallen, dass es hier viel ruhiger war als an der Promenade, wo es zahlreiche Restaurants und Cafés gibt.

Das waren meine zehn Tipps zu Aktivitäten, die ihr euch am Steinhuder Meer nicht entgehen lassen solltet. Ich hoffe, es ist etwas für euch dabei. Weitere Anregungen findet ihr zum Beispiel auf der Website vom Steinhuder Meer Tourismus und vom Reiseland Niedersachsen.

Fotos: Lukas Holzmeier