„Leg dich an einem schönen oder auch windigen Tag in den Wald, dann weißt du alles selbst“, schrieb der österreichische Schriftsteller Robert Musil einst. Auf mich haben Bäume und Wälder seit jeher eine magische Anziehungskraft und so gehörte es zu meinen größten Träumen, einmal in einem Baumhaus zu übernachten. Jetzt habe ich es endlich getan, und es war wirklich wunderbar: der warme, würzige Duft des Holzes, das Knarzen der Äste und das Spiel des Windes in den Blättern. Sonst nichts. Entschleunigung pur. Es gibt aber noch viele andere Gründe, warum ihr euch eine Auszeit im Grünen nicht entgehen lassen solltet.

Ich schreite durch das große Holztor – den Haupteingang zu Robins Nest. Es ist, als beträte man eine andere, märchenhafte Welt. In den Wipfeln der großen Buchen thronen fantasievoll gebaute Baumhäuser, die sich alle in Form und Größe unterscheiden. Am Wegesrand sitzt ein Junge auf einem Baumstamm und schnitzt. Im Stelzenhaus nebenan sehe ich ein Kind, das fröhlich im Wohnzimmer auf einer Schaukel hin- und her schwingt. Wie cool ist das denn bitte – eine Indoor-Schaukel mit Blick in den Wald?! So lassen sich auch eventuelle Schlechtwettertage sicher gut überbrücken. Hier sind sie also, die spielenden Kinder, die ich sonst immer vermisse, wenn ich im Wald unterwegs bin. Ich sehe entspannte Eltern, die auf der Aussichtsplattform mit Blick aufs nahegelegene Schloss lesen oder sich angeregt mit anderen Gästen unterhalten.

Was ich nicht sehe, sind Menschen, die sich über Handy-Displays beugen. In Robins Nest wurde bewusst auf WLAN verzichtet und das aus gutem Grund. Sofort muss ich an das schöne Zitat „There is no Wi-Fi in the woods, but you will find a better connection“ denken, das ich hier und da schon mal gelesen habe. Eine Auszeit im Baumhaus als Digital-Detox-Retreat der besonderen Art – für mich als Reisebloggerin erstmal ungewöhnlich, und dann, ein paar Stunden später, genau das Richtige.

In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.
Franz Kafka (Briefe)

Über einen Steg gelangen wir in die Baumhauskugel, die nun für zwei Nächte unsere Unterkunft sein wird. Als ich die Tür öffne, duftet es nach Holz und ich bin sofort angetan von der Gemütlichkeit, die dieser nur acht Quadratmeter große Raum ausstrahlt. Den Mittelpunkt der Baumkugel bildet ein Doppelbett, durch dessen Fenster am Fußende man zusehen kann, wie die Abendsonne im Wald versinkt. Es muss auch wunderbar sein, wenn es regnet und man die Tropfen über sich aufs Glas fallen hört – ein Regenkonzert der besonderen Art. So himmlisch wie das Bett aussieht, lässt es sich auch darin schlafen. Als ich am nächsten Morgen aufwache und durch das Dachpanoramafenster direkt in die Baumwipfel schaue, bin ich glücklich.

Wir gehen zur Waldbar und frühstücken, es gibt viele tolle Bio-Produkte, frisches Obst und Gemüse. Nach und nach trudeln die anderen kleinen und großen Bewohner der Baumhäuser ein. Es herrscht eine lockere, entspannte Atmosphäre, keiner scheint es eilig zu haben. Warum auch, denn wer einmal hier ist, will so schnell nicht wieder weg von diesem Fleckchen Erde, an dem die Welt eine andere ist.

 

Meine Ausflugs- und Aktivitätentipps für eure Baumhaus-Übernachtung

-Wir haben eine Kanu-Tour über die Werra gemacht und das war richtig toll. Der Campingplatz Werratal bietet viele verschiedene Touren an, wir entschieden uns für die etwa einstündige Schnuppertour vom Schloss Wolfsbrunn zurück zum Campingplatz, da es an dem Tag ziemlich heiß war. Während der gesamten Tour begegnete uns kein einziges anderes Boot und die Landschaft war wunderschön. Es gab zahlreiche Fischreiher und andere Vögel zu sehen, einzig die Lkw-Geräuschkulisse von der nahegelegenen Straße war hier und da etwas störend. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann bis zu 262 Flusskilometer auf der Werra oder bis zu 457 Kilometer auf Werra und Weser per Kanu zurücklegen, das Campingplatz-Team berät euch gerne.

-direkt neben Robins Nest liegt das Schloss Berlepsch, wo man als Gast duschen darf (in unserer Baumhauskugel hatten wir keine eigene Dusche). Das 650 Jahre alte Schloss zählt zu den schönsten Hessens und bietet auch ein Restaurant. Regelmäßig finden Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt, heiraten lässt sich hier auch.

-Geocacher aufgepasst: vorm Schloss gibts einen tollen Geocache namens „Schloss Berlepsch (GC5X32A), der allerdings nur für Premium-Mitglieder sichtbar ist. Die Stationen wurden mit viel Liebe, Mühe und großem Zeitaufwand erstellt. Ihr solltet ihn euch also nicht entgehen lassen!

-die etwa zwanzigminütige Fahrt ins Städtchen Witzenhausen lohnt sich, denn in der Altstadt lassen sich viele hübsche Fachwerkhäuser bestaunen. Außerdem gilt die Region als das größte zusammenhängende Kirschenanbaugebiet Europas. Es gibt also einiges zu probieren: Kirschbier, Kirschweine- und -liköre …

-rund um Robins Nest gibt es zahlreiche Wanderwege, zum Beispiel den Werra-Burgen-Steig Hessen (X5 H), Wanderkarten erhaltet ihr an der Rezeption.

(*Werbung)
Packliste für euer Mikroabenteuer 

-Powerbank (es gibt zwar Steckdosen im Baumhaus, aber wenn ihr im Wald unterwegs seid, kann sie sicher nicht schaden)

-ein Anti-Mücken- und Zeckenspray und ein Stick, der den Juckreiz bei bereits vorhandenen Insektenstichen lindert, denn  wo Natur ist, sind Mücken & Co nicht weit. Das alles bekommt ihr zum Beispiel günstig in der Online-Versandapotheke europa apotheek

-eine Yogamatte für die Yogaplattform

-eine Taschenlampe, falls ihr nachts mal auf Toilette müsst

-Duschhandtücher

-Kerzen, wenn ihr es euch im Baumhaus abends noch gemütlicher machen möchtet

– Ohropax, falls die kleinen Baumzelt-Bewohner morgens schon früher wach sind, als ihr

*(dieser Abschnitt enthält bezahlte Werbung für die Online-Versandapotheke europa apotheek, auf die Auswahl meiner Packliste wurde keinerlei Einfluss genommen).

Lesestoff, der Lust auf ein Auszeit im Grünen macht:

-eine Ode an die schönsten Wälder Europas mit nützlichen Tipps für das eigenen Waldabenteuer: Waldwunder: Vom Glück, im Grünen zu sein (DuMont Destination Sehnsucht)
-eine Anleitung für die geheimagentenmäßig konspirative Erforschung der Natur, die nicht nur Spaß für kleine Entdecker bringt: Mein wildes Buch

-am See zelten, unter Sternen schlafen und den Vögeln lauschen – Torbjørn Ekelund erfüllt sich den Traum vom Ausstieg in die Natur und berichtet darüber in: Im Wald: Kleine Fluchten für das ganze Jahr

-der bekannte Autor und Motivationstrainer Christo Förster berichtet von seinen Abenteuern vor der Haustür: Mikroabenteuer: Raus und machen! Einfach gute Outdoor-Erlebnisse vor der Haustür. Ideen, Ausrüstung, Motivation

-unbedingt anschauen, denn hier werden kleine Traumhäuschen auf der ganzen Welt präsentiert, die man teilweise auch buchen kann: Zauberhütten. Doppelzimmer mit Aussicht

 

Weitere Ideen für spannende Mikroabenteuer …
… findet ihr in meinem Beitrag: Auf ins Abenteuer! Hier könnt ihr unvergessliche Microadventures erleben

Viel Spaß!

Fotos: Lukas Holzmeier