Bunte Blumen, die alte Steinhäuser in engen Gassen zieren, Olivenbäume, deren grün-silbrige Blätter im Sonnenlicht schimmern und sanft geschwungene Zypressenhügel, die herrschaftliche Villen und Parkanlagen umsäumen, all das ist die Toskana. Und noch viel mehr. La dolce vita lässt sich hier in all seinen Facetten ganz wunderbar genießen – das wussten auch schon viele berühmte Künstler zu schätzen. Meine Tipps für einen Urlaub in Lucca & Umgebung.

Lucca – amore mio

Es ist früh am Morgen, die Stadt schläft noch, die Straßen sind leer. Ich streife durch die engen Gassen, biege mal hier ab, mal dort. Lasse mich einfach treiben. Unter mir das leise Glucksen der unterirdischen Kanäle. Auf einer Piazza angekommen, lausche ich dem plätschernden Brunnen, dessen friedliche Monotonie dann und wann vom Kreischen der Möwen unterbrochen wird, die das Meer verkünden. Ich sehe die grün umrankten Dachterrassen und überlege, wie es wohl wäre, an lauen Sommernächten auf einer von ihnen zu verweilen. Lucca und ich – das ist Liebe auf den ersten Blick. Selbst im Februar versprüht diese kleine Stadt ein bezauberndes Flair und trotzdem kann ich es nicht erwarten, sie einmal zu einer wärmeren Jahreszeit zu erleben – dann, wenn sie sich von ihrer schönsten toskanischen Seite zeigt.  Eines steht fest: Ich muss wiederkommen, bald, unbedingt!

 

Meine Tipps für Lucca

Praktische Tipps

Mit dem Fahrrad lässt sich Lucca besonders gut erkunden und sogar über die über vier Kilomter lange Stadtmauer kann man radeln. Von hier habt ihr eine tolle Aussicht auf die Stadt mit ihren roten Ziegeldächern und charmanten Steinhäusern, keine Bausünde weit und breit. Bei gutem Wetter könnt ihr im Westen das Vorland der Apuanischen Alpen sehen, im Süden den Monte Pisano.  Im Ort gibt es zahlreiche Fahrrad-Verleihstellen, zum Beispiel am Tourist Center, das in der Piazzale Ricasoli 203 liegt.

Wenn ihr mehr zu Lucca erfahren wollt und Lust auf eine richtig gute Stadtführung habt, möchte ich euch wärmstens eine Tour mit Anna Nieddu empfehlen. Sie spricht sehr gut Deutsch und kann euch dadurch auch wunderbar Kontakt zu Einheimischen vermitteln. Günstiger wird es natürlich, wenn ihr eine kleine Gruppe seid, Anna bietet jedoch auch Einzelführungen an. Unter turislucca@turislucca.com könnt ihr sie kontaktieren.

Als Reiseführer hatte ich mir aus der Stadtbibliothek den DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Toscana: mit Extra-Reisekarte ausgeliehen. Dieser enthält – im Gegensatz zu einigen anderen – auch viele gute Informationen zu Lucca, z.B. eine kleine tolle Stadtkarte, auf der ihr die wichtigsten Sehenswürdigkeiten findet und zahlreiche Extra-Tipps.

Kamelienblüten in ihrer vollsten Pracht: Ein Blick in den Innenhof des Palazzo Mansi Museums lohnt sich.

Events & Sehenswürdigkeiten in Lucca

Wer in Lucca und Umgebung unterwegs ist, wird immer wieder auf einen großen Künstler treffen: Giacomo Puccini, schließlich wurde der Komponist zahlreicher berühmter Opern wie Tosca, Turandot und La Bohème in dieser Stadt geboren. Heute befindet sich das Puccini Museum in seinem Geburtshaus, in diesem könnt ihr unter anderem das Klavier bestaunen, auf dem Puccini seine Oper Turandot komponierte. Vollenden konnte er diese leider nicht, da er vorher verstarb. Auch ein beeindruckendes Kostüm aus Turandot ist u.a. ausgestellt. Übrigens: Auf der Website des Museums habt ihr die Möglichkeit, einen kostenlosen virtuellen Guide runterzuladen, wenn ihr mögt. Wer auf Puccinis Spuren reist, darf sich seine Lieblingsvilla in Torre de Lago selbstverständlich nicht entgehen lassen, die etwa 30 Kilometer von Lucca entfernt liegt.  Hier wurde der Meister 1924 bestattet. Direkt am See befindet sich auch das Open Lyric Grand Theatre Puccini, die Architektur des Gebäudes hat mir persönlich so gar nicht gefallen, doch eine Oper auf der Open-Air-Bühne bei Mondschein so nah am Wasser zu hören, hat sicher seinen Reiz.

Es gibt etwa 500 Villen in der Umgebung von Lucca, eine davon ist der Palazzo Mansi, der heute ein Museum ist. Hier findet ihr zahlreiche Kunstschätze der Stadt Lucca und ihr könnt euch einen Eindruck davon verschaffen, wie die wohlhabende Familie Mansi gelebt hat, die vor allem die dank ihren blühenden Handelstätigkeiten ein hohes Ansehen erlangte.

Ein Muss ist natürlich der Besuch des Torre Guinigi. Von dort habt ihr einen fantastischen Blick über die Stadt Lucca, dafür gilt es allerdings vorab 226 Stufen zu erklimmen. Bekannt wurde der Turm auch, weil sich auf seiner Spitze, ein hängender Garten mit sieben Steineichen befindet.

Nicht verpassen solltet ihr den Cortili e Giardini aperti – den Tag, an dem die Villen ihre Gärten öffnen. Denn wer durch die Gassen wandelt, wird sicher schnell feststellen, dass sich hinter dem ein oder anderen alten Steinmäuerchen ganz wunderbare Gärten verbergen. 2017 fand er am 21. Mai statt, wenn ihr daran Interesse habt, könnt ihr den nächsten Termin bei Lucca Tourismo erfragen.

Shoppen

Hier gibt es sie noch, all die kleinen „Tante-Emma-Lädchen“, ob Knöpfe, Stoff, Antiquitäten oder handgemachte lokale Köstlichkeiten, die ihr zum Beispiel in den Pasticcerien wie Buccellato Taddeucci​ findet. Bringt auf jeden Fall genug Zeit zum Bummeln und Probieren mit!

In der Via Santa Lucia, 13 liegt die Antica Bottega di Prospero dal 1790. Es gab sie also schon zu Puccinis Zeiten und wer den Laden betritt, wird den historischen Charme spüren. Hier bekommt ihr lokale Delikatessen wie Olivenöle, Kastanienmehl, handgemachte Pasta sowie edle Weine aus der Region, darunter auch viele Bio-Produkte. Ein perfekter Ort, um dies und das zu probieren und nach Mitbringseln für Familie & Freunde zu stöbern.

Bei Zazzi Dallamano in der Haupteinkaufsstraße Via Fillungo könnt ihr samstags live dabei sein, wie die schönen Tücher von Hand gewebt werden. Inhaber und Designer Vladimiro spricht gut Englisch und erzählt euch gerne mehr zu den kleinen Kunstwerken.

An jedem dritten Wochenende des Monats findet eine große Antiquitätenmesse in der Altstadt (Pza. S. Martino) statt. Wenn ich nur gewusst hätte, wie ich all die tollen Möbelstücke nach Deutschland kriegen soll, hätte ich sofort zugeschlagen.

Essen & Trinken

Vor allem, wenn ihr Fans von frischer, regionaler Küche seid, lohnt sich ein Besuch im Ristorante & Pizzeria Local Food Market, das sich an der Via S. Paolino befindet.

Typisch luccesisches Essen bekommt ihr u.a. beim Slow-Food-Restaurant Il Mecenate. Hier solltet ihr auch Castagneccio probieren – das typisch luccesische Kastanienbrot oder Pfannkuchen aus Kastanienmehl.

Wenn ihr noch mehr über die 2.000-jährige Geschichte von Lucca erfahren wollt, könnt ihr zum Beispiel das Domus Romana besuchen. Diese archäologische Ausgrabungsstätte gibt euch einen Einblick darin, wie die Stadt früher einmal ausgesehen hat. Doch das ist noch nicht alles, ihr habt auch die Möglichkeit, die alte römische Küche kennenzulernen, denn im Museum befindet sich ein Restaurant (Reservierung erforderlich). Hier durfte ich unter anderem tolles Brot probieren, das auf Lorbeerblättern gebacken wurde. Besonders lecker war die Minz-Pesto aus Minze, Olivenöl, Mandeln und Honig, im Sommer werde ich auf jeden Fall versuchen, diese einmal selbst herzustellen. Wie wir vor Ort erfuhren, war Minze für die Römer von großer Bedeutung, denn sie glaubten daran, dass sie Körper & Geist reinige. Wie auch immer – köstlich schmeckt sie jedenfalls in all ihren Variationen.

Cafés
Ihr kennt ihn sicher, den Tipp, dass die Cafés und Restaurants, in denen die Einheimischen sitzen, die besten sind. Deswegen habe ich die sympathische Lucceserin Anna nach ihren Favoriten gefragt. Sie nannte mir die Caffetteria Turandot auf der Piazza San Michele 8 und das Caffè Santa Zita auf der Piazza San Frediano 4. Hier lässt es sich besonders gut zelebrieren – il dolce far niente – das süße Nichtstun.

Übernachten in Lucca & Umgebung
Ich war im Hotel Ilaria untergebracht, das in der Altstadt von Lucca liegt. Die Lage ist perfekt, um all die Sehenswürdigkeiten von Lucca zu erkunden und das Personal war sehr freundlich. An wärmeren Tagen kann man auf der Dachterrasse des Hotels draußen frühstücken und hat dabei einen herrlichen Blick ins Grüne. Ansonsten findet ihr sicher auch günstige Angebote bei Airbnb.

Wenn ihr mehr die Naturfans seid, wäre vielleicht Agrotourismus etwas für euch. Dabei verbringt ihr euren Urlaub auf noch intakten Bauernhöfen und lernt das traditionelle Leben kennen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr oft auch mit anpacken, müsst ihr aber nicht. Tolle Angebote findet ihr auf Portalen wie Agriturismo.it oder Discover Tuscany.

Meine Tipps für die Umgebung von Lucca – Celle dei Puccini, Viareggio und Marlia

Celle dei Puccini

Eines meiner absoluten Highlights war der Besuch im kleinen Dörfchen Celle dei Puccini, das etwa 25 Kilometer von Lucca entfernt liegt. Der mäandrierende Weg hinauf ist zwar steil, aber lohnt sich, rechts und links wird er von Olivenbäumen gesäumt, deren grün-silbrige Blätter im Sonnenlicht schimmern. So friedlich, so idyllisch – am liebsten würde ich mir direkt ein paar Bücher einpacken, um hier einen ganz entspannten Urlaub zu verbringen. Ich liebe diesen wildromantischen Charme der beginnenden Verwitterung, der sich dort an jeder Ecke findet. Celle dei Puccini hat nur etwa vierzig Einwohner, würde die Familie von Giacomo Puccini nicht von hier stammen, würde das Dorf wohl kaum jemand kennen. So jedoch erinnert ein kleines aber feines Museum an die prominenten Bewohner aus vergangenen Zeiten. Wenn ihr es besucht, werdet ihr euch ein wenig fühlen, als wäret ihr mit einer Zeitmaschine gereist, denn die Räume des Hauses sind teilweise noch so genauso eingerichtet wie früher. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1924, besuchte Giacomo Puccini das Dorf ein letztes Mal. Ihm zu Ehren finden jeden Sommer regelmäßig Open-Air-Puccini-Konzerte statt.

Essen & Trinken in Celle dei Puccini

Idylle und Ruhe, mitten in der toskanischen Natur: Die Eigentümer des Restaurants bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten an.

Ein Träumchen war das Essen im Ristorante Puccini, das gleichzeitig ein Bed & Breakfast ist. Für die dort angebotenen Speisen werden biologische Produkte verwendet, die zum Großteil sogar aus eigenem Anbau stammen oder von den Bauern in der Umgebung gekauft werden. Ganz nach meinem Geschmack also. Probiert unbedingt Semifreddo (halbgefrorenes Parfait) als Dessert – es ist köstlich!

 

Carnevale di Viareggio – ein kunstvolles Spektakel der besonderen Art

Der Wagen „Papaveri rossi“ (Roter Mohn) der Künstler Umberto und Stefan Cinguini gewann den ersten Platz beim Carnevale di Viareggio 2018. „Der Krieg hat viele Masken, aber nur ein Gesicht“ lautet sein Motto. Die künstlichen Mohnblumen sollen das Gedenken an die zahllosen Opfer von Kriegen symbolisieren.

Kommen wir nun zu einem unerwarteten Highlight: Ich bin kein Karnevalsfan, doch der Carnevale di Viareggio, der im Februar stattfindet, hat mich sehr überrascht. Hier stand nicht das Thema „Trinken“ im Vordergrund sondern die Kunst.  Wer dem Spektakel beiwohnen möchte, muss mit 20 Euro Eintritt schon etwas tiefer in die Tasche greifen, geboten bekommt man dafür aber allerhand. Denn die riesigen Wagen, die die Strandpromenade entlangfahren, sind sehr imposant, sie widmen sich politischen oder kulturellen Themen. Dadurch, dass die Figuren von innen hohl sind, können sie von den Teams auf den Karren bewegt werden und erhalten so eine ganz besondere Lebendigkeit. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht auf unserer Seite, es regnete in Strömen und war recht kühl. Ein kurzes Video habe ich trotzdem für euch gemacht.

Wenn ihr schon mal da seid, solltet ihr euch auch La Citadella nicht entgehen lassen, in diesem Museum könnt ihr sehen, wie die Pappmaschee-Figuren entstehen und ihr seht die prämierten Karnevalswagen der letzten Jahre in Miniaturform. Der Eintritt für das Karnevalsmuseum kostet nur 3 Euro.

Video: Ein kleiner Live-Eindruck für euch vom Carnevale di Viareggio 2018
Der Wagen des Künstlers Carlo Lombardi mit dem Motto „Fumo negli occhi“ (Rauch in den Augen) sollte darauf aufmerksam machen, dass dass Rauchen eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit ist.

 

Essen & Trinken in Viareggio
Vor allem bei jüngeren Leuten sehr beliebt ist das Bistrot sul Mare im Bagno Teresa. Im Sommer wird es hier sehr voll sein, denn dieser Strandabschnitt von Viareggio ist beliebt. Das Essen ist exzellent, die Zutaten stammen größtenteils aus regionalem und biologischem Anbau. Auch das hübsche Interieur im Beach-Style hat mir gut gefallen.

Falls ihr es abends etwas schicker mögt, könnt ihr euch einen Tisch im Restaurant Esplanade Viareggio bestellen, auch hier gibt es u.a. viele frische Fischgerichte, denn das Meer liegt fast direkt vor der Tür.

Die Villa Reale in Marlia

Im Frühling und Sommer besonders reizvoll: ein Spaziergang durch die Parkanlage der Villa Reale. Copyright: Villa Reale di Marlia

Sobald ihr dieses elegante Anwesen betretet, werdet ihr sicher genauso verzückt sein wie ich. Denn hinter den steinernen Mauern versteckt sich eine riesige Parkanlage, die an vielerlei Ecken ein märchenhaftes Flair versprüht. Es lohnt sich unbedingt, nicht nur die zahlreichen Gärten und historischen Bauwerke zu bewundern, sondern auch die Geschichte dahinter zu erkunden. Denn im 19. Jahrhundert war die Villa Reale die Residenz von Elisa Bonaparte Baciocchi – der Schwester Napoleons und Prinzessin von Lucca. Taucht ein in die Vergangenheit und stellt euch vor, wie es wohl war, als Meisterviolinist Niccolò Paganini seine Werke im Grünen Theater spielte. Oder, wie viele Jahre später der berühmte Maler Salvador Dalì die toskanische Sonne am hübschen Badehaus genoss.

Im Park gibt es einen kleinen Hügel, auf dem eine große, alte Steineiche wächst, von hier habt ihr einen tollen Ausblick auf den Park selbst und bis hin nach Lucca. Auf keinen Fall solltet ihr den schönen Kameliengarten verpassen. Ich war Mitte Februar dort und hatte das Glück, bereits die ersten Blüten bestaunen zu dürfen.

Wie ihr seht, gibt es zahlreiche Gründe, Lucca und seine Umgebung mal genauer zu erkunden. Wer es ruhig mag, kommt im Winter wie ich. Der Vorteil: An den Museen und Sehenswürdigkeiten gibt es keine Warteschlangen, mit dem Rad kommt ihr durch alle Gassen und in fast jedem Restaurant findet man einen Tisch. Der Nachteil: Manche Sehenswürdigkeiten sind nicht geöffnet oder werden restauriert und ihr müsst damit rechnen, dass es auch mal regnen kann. Mich hat das meist nicht sonderlich gestört, wiederkommen werde ich trotzdem. Aber dann im Frühling, um zu erleben, wie das Leben auf den Straßen erblüht.

Arrivederci, Lucca!

Übrigens: Falls ihr auch ein wenig Sightseeing betreiben wollt, könnt ihr euch auf der Online Plattform GetYourGuide Tickets für zahlreiche spannende Stadttouren, Ausflüge nach Pisa oder italienische Kochkurse vorab kaufen. So vermeidet ihr lästiges langes Anstehen in den Warteschlangen.

 

Un ringraziamento alla Lucca Promos e ENIT, che potevo partecipare a questo bel viaggio stampa.
(Vielen Dank an Lucca Promos und die Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, dass ich an dieser Pressereise teilnehmen durfte.)

Fotos: Da ich diesmal ohne Lukas unterwegs war, der sonst die Fotos macht und mit dem Wetter nicht ganz so viel Glück wie sonst hatte, stammen diesmal ausnahmsweise nicht alle Bilder von mir. In diesem Fall sind sie mit dem entsprechenden Copyright gekennzeichnet.