Nachhaltig reisen: Wellness, Wandern und Slow-Food in Südtirol

Idyllische Bergdörfer, mediterrane Weinlandschaften und gigantische Gipfel – das alles macht Südtirol zu einem beliebten Urlaubsparadies. Ich war vor Ort zum Thema nachhaltig reisen unterwegs und habe euch viele Tipps mitgebracht, wie ihr euren Aufenthalt grüner gestalten könnt. Und keine Sorge, dabei geht es nicht um Verzicht, sondern um Genuss pur.

Tipp 1: Bio-Anbau live erleben – Der Sockerhof in Mals

Frisch geerntet: Anna präsentiert ihren Lollo Rosso.

Mals ist ein kleines Dörfchen mit schmalen Gassen, urigen Bauernhöfen und romanischen Kirchen. Dort haben wir die 30-jährige Anna besucht, die vor zwei Jahren den alten Hof ihres verstorbenen Großonkels übernahm. Auch Urlauber mit einer Ferienwohnung können sich ihre Kochzutaten bei Anna vom Sockerhof  holen – „vom Acker direkt in das Kistl der Kunden“ lautet das Motto. Ist ja noch cooler, als vom Markt oder?! Es gibt natürlich nur das, was gerade reif ist. Was das ist, kann man vorher auf ihrer interaktiven Website nachschauen. Berühmtheit hat Mals übrigens erlangt, weil sich die Südtiroler Gemeinde per Volksabstimmung zur ersten pestizidfreien Region Europas erklärte.

Ein Herz und eine Seele: Landwirtin Anna Folie mit Schwein Harald.

 

Tipp 2: Chillen mit Ausblick – Das Bio-Hotel Panorama in Mals

So cool kann ein Ökozimmer aussehen: Das Bio-Hotel Panorama in Südtirol.

Für uns gings dann weiter zum Bio-Hotel Panorama, das ebenfalls in Mals liegt. Ich habe mich direkt in die tollen Hängematten auf dem Balkon verliebt, von diesen hatte man einen fantastischen Ausblick auf grüne Täler und die die Alpen dahinter. Wer sich fragt, warum das Essen im hoteleigenen Restaurant so köstlich schmeckt, sollte den 3.000 m² großen Bio-Garten besuchen, der von Inhaber-Tochter Lena liebevoll gepflegt wird. Auch das niedliche Laufenten-Pärchen lernten wir persönlich kennen. Sie schützen die Pflanzen vor Schneckenbefall.

Konzentriert bei der Arbeit: Das saisonale Angebot bestimmt die Speisekarte im Bio-Hotel Panorama.

Gehören fest zum Garten-Team: Die beiden Indischen Laufenten.

Und dann gibt es da noch eine weitere Besonderheit im Hotel: Die Bio-Brennerei. Dort stellt Hausherr Friedrich Steiner seltene Qualitätsbrände und Liköre aller Art her. Interessierte Gäste können an einer Führung teilnehmen und alles über die Entstehung der Spitzendestillate erfahren. Verkostet wird dabei natürlich auch. Mir hat der Erdbeer-Likör besonders gut geschmeckt. Außerdem erfuhr ich u.a., dass die Pala-Birne – bei uns dem ein oder anderen vielleicht als Apotheker-Birne bekannt – zu den sogenannten alten Sorten, die es kaum noch gibt.  Friedrich Steiner ist es wichtig, diese alten Sorten und das Wissen um ihre Kultivierung zu bewahren, denn alte Sorten haben eine große Vielfalt an Geschmack, Aussehen und Verwendungsmöglichkeiten. Außerdem sind sie ein wichtiges Kulturgut der Region.

Tipp 3: Wandern auf dem Vigiljoch bei Lana

Wanderlust: Am Vigiljoch lässt sich Südtirol von seiner ursprünglichen Seite entdecken.

Das Vigiljoch ist ein naturbelassenes Wanderparadies, das oberhalb von Lana auf 1.700 Metern Höhe liegt. Um es zu erreichen, muss man mit der Seilbahn zur Bergstation fahren, denn das gesamte Gebiet am Vigiljoch ist autofreie Zone. Umso erholsamer muss ein Urlaub im 5 Sterne Hotel Vigilius Mountain Resort sein, das direkt am Startpunkt des Wanderweges liegt. Nicht umsonst bezeichnet es sich selbst als „Eine Insel auf dem Berg“.  Die Wanderstrecke ist wirklich wunderschön, mit all ihren alten Höfen, Nadelwäldern und Blumenwiesen strahlt sie eine besondere Ursprünglichkeit aus.

Und dann kam sie plötzlich aus dem Wald gelaufen – eine Herde Haflinger, von der sich manche Tiere sogar streicheln ließen. Ein unvergessliches Erlebnis.

Unerwartete Begegnung: Eine Haflinger-Herde kreuzte unseren Weg.

Ein weiteres Highlight auf der Strecke ist die St. Vigilius-Kirche, die sich auf dem Hausberg von Lana befindet. Das um das 12. Jahrhundert herum erbaute Gotteshaus wird von den Einheimischen auch „Wetterkirche“ genannt, denn seit vielen Generationen pilgern Gläubige zur Kirche am Vigiljoch, um dafür zu bitten, dass die Bevölkerung von Unwetter, Hagel, Blitzschlag und Donner verschont bleibt.

Schmuckes Kirchlein: St. Vigilius ist bei jedem Wetter ein tolles Fotomotiv.

Tipp 4: Mit dem E-Motorrad durch die Serpentinen Südtirols

Auf geht’s: Dank demeter-Bauer Erich konnte ich Südtirol per E-Motorrad erkunden.

Südtirol steht wegen seiner kurvigen Panoramastrecken bei Bikern hoch im Kurs. Am Bio-Landhotel Anna im Vinschgau, Südtirol befindet sich das erste Elektro-Motorrad-Testcenter für  Straßenfahrzeuge in Europa. Betrieben wird es von Bio-Landwirt Erich Vill und seinem Sohn Stefan. Das musste ich mir natürlich live anschauen. Und da ich selbst leider keinen Motorrad-Führerschein habe, durfte ich bei demeter-Bauer Erich hinten aufsteigen und ab ging’s. Hat mega Spaß gemacht, mein erstes Mal E-Motorradfahren! Vor allem, das Beschleunigen … Dass das Motorrad nicht laut war, hat mich überhaupt nicht gestört – im Gegenteil.

Durch Kurvenstraßen und über Feldwege fuhren wir hoch auf einen Hügel hinauf. Denn dort stehen die biologisch bewirtschafteten Apfelplantagen der Familie Vill. Es war spannend live zu erfahren, was den Unterschied vom demeter-Anbau zum konventionellen Anbau ausmacht.

Natur pur: Die Apfelplantage der Familie Vill.

Tipp 5: „Alpine Welllness“ auf dem Kräutererbe Bacherhof in Nals

Natürlich schön: Auch in Sachen Naturkosmetik kennt sich Jutta Tappeiner bestens aus.

Nach der Motorrad-Tour war es Zeit für Entschleunigung. Besser gesagt für „Alpine Welllness“ auf dem Kräutererbe Bacherhof in Nals. Dort hat Jutta Tappeiner eine kleine Oase geschaffen, in der die Gäste den Einklang mit den Elementen spüren sollen. Auf ihrem selbsternannten „Wohlfühlbauernhof“ bietet sie zahlreiche Treatments nach Sebastian Kneipp und Hildegard von Bingen an. Gäste ab 18 Jahren sind hier herzlich willkommen.

Selbst zubereitet: Jutta Tappeiner lässt uns ein Kräutersalz probieren.

In Juttas hauseigenem Kräutergarten lernte ich unter anderem eine Heilpflanze kennen, die auch bei uns häufig medizinische Anwendung findet: Agnus castus, auch als Mönchspfeffer bekannt. Und dann waren da noch all die wohlschmeckenden Kräuter, es hat mich total beeindruckt, welch vielfältige Köstlichkeiten die Expertin mit ihnen aus einfachen Zutaten zubereitet. Bei Jutta zu Gast zu sein war ein Fest für die Sinne.

Tipp 6: Eine Auszeit im Biorefugium – Theiners Garten

Im Blumenmeer: Theiners Garten hält, was der Name verspricht.

Südtirol ist mit zahlreichen nachhaltigen Unterkünften gesegnet. Eines meiner absoluten Highlights war das Bio-Hotel Theiner’s Garten im Meraner Land. Es darf sich als erstes zertifiziertes Klimahotel Europas bezeichnen und neben den nachhaltigen Aspekten, hat es einfach einen wunderschönen Entspannungsgarten mit Pool und einen tollen Wellnessbereich zu bieten.

Abkühlung an heißen Sommertagen: Der Außenpool macht’s möglich.

Dass das Essen im hauseigenen Restaurant absolut köstlich war, brauche ich sicher nicht erwähnen. Auf der Speisekarte werden auch Vegetarier und Veganer fündig.

Tipp 7: Radikal lokal speisen – im Wirtshaus zur blauen Traube
Apropos Essen: Wenn ihr in Südtirol unterwegs seid, solltet ihr euch einen Besuch im Wirtshaus zur blauen Traube nicht entgehen lassen. Der historische Gasthof liegt im hübschen Örtchen Algund und wurde Anfang 2019 vom jungen Koch Christoph Huber neu eröffnet. Sein Motto lautet: Radikal lokal. „Ich möchte die kleinen Produzenten hier vor Ort unterstützen“, erzählt uns der 32-Jährige. Außerdem leide die Qualität von Lebensmitteln durch lange Lieferwege. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Paradies vor der Tür liegt!? Es ist einfach super lecker, was Christoph Huber und sein Team da auf die Teller der Gäste zaubern. An warmen Tagen lohnt es sich, einen Platz auf der Außenterrasse zu ergattern, so kommt direkt mediterranes Urlaubsflair auf.

Tipp 8: Die Route über den Reschenpass wählen

Wahrzeichen des Vinschgau: Der versunkene Kirchturm im Reschensee.

Falls ihr nun Lust bekommen habt, einen nachhaltigen Urlaub in Südtirol zu verbringen, empfehle ich euch die Anreise über den Reschenpass. Sie  ist landschaftlich wesentlich reizvoller, als die über den Brenner. Allerdings auch anstrengender zu fahren. Unterwegs sieht man unter anderem den berühmten versunkenen Kirchturm im Reschensee – das Wahrzeichen des Vinschgau. Er ist stummer Zeitzeuge einer verantwortungslosen See-Stauung kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Und jetzt viel Spaß bei euren eigenen Abenteuern!

Falls ihr unsere Südtirol-Folge vom Reisepodcast hören wollt, findet ihr sie auf der Website der Podcast Fabrik.

Fotos: Lukas Holzmeier

2 Kommentare

  1. Liebe Rebecca,
    Was für ein traumhafte Bericht über Südtirol! Das muss eine wunderschöne Reise gewesen sein. Da bekomme ich gleich Lust, Deine Tipps nächsten Sommer auszuprobieren.
    Viele Grüße von Sanne

    • Rebecca

      11. November 2019 at 8:27

      Liebe Sanne, vielen lieben Dank! Es freut mich sehr, dass dir der Bericht gefällt! 🙂 Südtirol ist definitiv eine Reise wert! Liebe Grüße, Rebecca

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